Wenn Ihr E-Mail-Konto gehackt wurde: von einem sauberen Gerät aus sofort das Passwort ändern, alle Sitzungen abmelden, Zwei-Faktor-Anmeldung einschalten und die Einstellungen auf fremde Weiterleitungen, Filterregeln und geänderte Wiederherstellungsdaten prüfen. Danach alle Konten ändern, die dasselbe Passwort nutzten, und Kontakte warnen. Firmen prüfen zusätzlich eine Meldepflicht nach DSGVO.
Woran Sie einen gehackten Account erkennen
- Kontakte bekommen Spam oder Bettelmails mit Ihrem Absender.
- Im Ordner „Gesendet“ liegen Mails, die Sie nicht geschrieben haben, oder er ist auffällig leer.
- Ihr Passwort funktioniert plötzlich nicht mehr.
- Sie erhalten Hinweise auf Anmeldungen von unbekannten Geräten oder Orten.
- Mails kommen nicht mehr an, weil eine Weiterleitung oder Regel sie umleitet.
Sofortmaßnahmen in der richtigen Reihenfolge
- Sauberes Gerät nutzen: Wenn Ihr Computer möglicherweise infiziert ist, ändern Sie Passwörter über ein anderes Gerät, zum Beispiel das Smartphone.
- Passwort ändern: lang, einzigartig, nirgendwo sonst verwendet. Kommen Sie nicht mehr hinein, nutzen Sie die Kontowiederherstellung des Anbieters.
- Alle Sitzungen abmelden: In den Sicherheitseinstellungen „Überall abmelden“ wählen, damit der Angreifer aus offenen Sitzungen fliegt.
- Zwei-Faktor-Anmeldung einschalten: Danach reicht das Passwort allein nicht mehr. Mehr im Ratgeber Zwei-Faktor-Authentifizierung.
- Einstellungen prüfen: Weiterleitungen, Filterregeln, Abwesenheitsnotizen, Signatur, verknüpfte Apps und die hinterlegte Ersatz-E-Mail und Telefonnummer.
- Andere Konten absichern: Über „Passwort vergessen“ lassen sich mit Ihrem Postfach weitere Konten übernehmen. Ändern Sie zuerst Online-Banking, Shops, Bezahldienste und soziale Netzwerke, vor allem dort, wo dasselbe Passwort genutzt wurde.
- Kontakte warnen: kurz Bescheid geben, dass Mails der letzten Tage nicht von Ihnen stammen könnten.
- Gerät prüfen: Virenscan auf allen Geräten, auf denen das Konto eingerichtet ist.
Angreifer richten gern eine unauffällige Weiterleitung oder Regel ein, die alle Mails heimlich kopiert oder löscht. Ein neues Passwort beendet das nicht. Prüfen Sie deshalb immer die Regeln und Weiterleitungen.
Prüfen, ob Ihre Daten in Datenlecks auftauchen
Mit dem Identity Leak Checker des Hasso-Plattner-Instituts oder dem Dienst „Have I Been Pwned“ können Sie prüfen, ob Ihre E-Mail-Adresse in bekannten Datenlecks vorkommt. Taucht sie auf, ändern Sie die Passwörter der betroffenen Dienste.
Was Unternehmen zusätzlich tun müssen
Ist ein geschäftliches Postfach betroffen, sind meist Kunden- oder Mitarbeiterdaten im Spiel. Dann gilt:
- Meldepflicht prüfen: Eine Datenschutzverletzung muss in der Regel innerhalb von 72 Stunden der Datenschutzaufsicht gemeldet werden, in Hessen dem Hessischen Beauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit, außer es besteht voraussichtlich kein Risiko für die Betroffenen.
- Rechnungsbetrug verhindern: Angreifer schicken aus übernommenen Postfächern gern Rechnungen mit geänderter Bankverbindung. Warnen Sie Kunden und Lieferanten.
- Alle Konten im Betrieb prüfen: Anmeldeprotokolle, Weiterleitungen und Regeln in Microsoft 365 oder beim Mail-Anbieter.
- Dokumentieren: Zeitpunkt, Maßnahmen und Erkenntnisse festhalten. Siehe IT-Notfallplan bei Hackerangriff.
Zusammengefasst
Schnell handeln, sauberes Gerät nutzen, Passwort ändern, überall abmelden, Zwei-Faktor einschalten und Weiterleitungen prüfen. Wenn Sie unsicher sind oder ein Firmenkonto betroffen ist, helfen wir kurzfristig weiter. Mehr unter IT-Sicherheit und Viren entfernen.
